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Kapitel 01

In Furtwangen, für Furtwangen

Schwarzwald-Bauernhaus im Löffelthal (erbaut 1640)
Das Siedle Haus steht in direkter Nachbarschaft der Siedle Villa, Sitz der Geschäftsführung von Siedle
Luftaufnahme des Siedle Hauses und seiner Umgebung
Schwarzwald-Bauernhaus im Löffelthal (erbaut 1640)Das Siedle Haus steht in direkter Nachbarschaft der Siedle Villa, Sitz der Geschäftsführung von Siedle.
Schwarzwald-Bauernhaus im Löffelthal (erbaut 1640)
Schwarzwald-Bauernhaus im Löffelthal (erbaut 1640)

„Könnten Sie sich vorstellen, im Schwarzwald ein Museum zu bauen?“

Mit dieser Frage, die Gabriele Siedle auf einer Veranstaltung dem Architekten Arno Brandlhuber stellte, begann das Bauprojekt Siedle Haus. Der Standort: Furtwangen – traditionsreicher Industrie- und Wirtschaftsstandort in Baden-Württemberg und seit über 275 Jahren Sitz des Unternehmens Siedle.

Das Siedle Haus steht in direkter Nachbarschaft der Siedle Villa, Sitz der Geschäftsführung von Siedle
Das Siedle Haus steht in direkter Nachbarschaft der Siedle Villa, Sitz der Geschäftsführung von Siedle.

„Uns war immer klar: Wenn wir ein Museum bauen, so kann es nur in Furtwangen stehen, nicht in Berlin, Stuttgart oder anderswo.“

— Gabriele Siedle

Für die Stifter Horst und Gabriele Siedle war es eine Herzensangelegenheit, dass ihre umfangreiche Kunstsammlung genau hier ein dauerhaftes Zuhause bekommen sollte. Als Zeichen der Wertschätzung und Verbundenheit mit der Region – und um den Menschen vor Ort etwas von bleibendem Wert zurückzugeben.

Luftaufnahme des Siedle Hauses und seiner Umgebung

Diese gemeinsame Vision, die Gabriele Siedle seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2019 allein weiterverfolgt, umfasste von Anfang an mehr als einen repräsentativen Ausstellungsort für ihre Sammlung. Vielmehr sollte mit dem Siedle Haus eine Art kulturelle Plattform für vielfältige Veranstaltungen und Bildungsformate rund um Themen wie Kunst, Design und Architektur entstehen. Ein zentrales Anliegen der Stifter: gesellschaftliche Impulse zu setzen, Menschen zu inspirieren und in den Austausch zu bringen.

Kapitel 02

Auf Tradition gebaut

Rendering des Entwurfs von Arno Brandlhuber
Rendering des Entwurfs von Arno Brandlhuber
Gabriele Siedle mit Michael Eichmann und Arno Brandlhuber im Siedle Haus
Entwurf: Arno Brandlhuber b+ Rendering: PONNIE Images © Horst und Gabriele Siedle KunststiftungEntwurf: Arno Brandlhuber b+ Rendering: PONNIE Images © Horst und Gabriele Siedle KunststiftungDie Stifterin und Sammlerin Gabriele Siedle mit dem leitenden Architekten Michael Eichmann (links) und Entwurfsarchitekt Arno Brandlhuber (rechts) im Siedle Haus.
Rendering des Entwurfs von Arno Brandlhuber
Entwurf: Arno Brandlhuber b+ Rendering: PONNIE Images © Horst und Gabriele Siedle Kunststiftung

Im engen Dialog mit Horst und Gabriele Siedle entstand in einem längeren Prozess der finale Entwurf zum Siedle Haus: eine architektonische Hommage an die Region, die zugleich an die Geschichte des Unternehmens Siedle anknüpft.

Mit seinem Entwurf zum Siedle Haus schuf der Architekt die Grundlage für einen traditionell anmutenden, doch in den Details hoch innovativen Bau. Für die Umsetzung des Entwurfs gab es keine Vorbilder – es mussten Lösungen für bisher ungekannte Herausforderungen entwickelt und erprobt werden. Dafür schlossen sich die Büros Arno Brandlhuber b+ und hotz+architekten zusammen und realisierten das Projekt gemeinsam unter der Leitung von Michael Eichmann.

Rendering des Entwurfs von Arno Brandlhuber
Entwurf: Arno Brandlhuber b+ Rendering: PONNIE Images © Horst und Gabriele Siedle Kunststiftung

„So ein Entwurf fällt nicht vom Himmel. Er hat sehr viel mit der Geschichte von Siedle und der Region rund um Furtwangen zu tun.“

— Arno Brandlhuber

Rein äußerlich erinnert das Siedle Haus an ein klassisches Schwarzwaldhaus, wie es früher traditionell als Wohnraum, Stall und Speicher genutzt wurde. In einem solchen Hofhaus begannen die ersten Siedle-Vorfahren um 1750 mit dem Gießen von Glocken und Uhrenteilen und legten damit den Grundstein für das Unternehmen Siedle. Ein Schwarzwaldhaus ist auch auf einem Aquarell zu sehen, das von Horst Siedles Vater Max überliefert ist und den Architekten Arno Brandlhuber zu seinem Entwurf inspirierte.

Gabriele Siedle mit Michael Eichmann und Arno Brandlhuber im Siedle Haus
Die Stifterin und Sammlerin Gabriele Siedle mit dem leitenden Architekten Michael Eichmann (links) und Entwurfsarchitekt Arno Brandlhuber (rechts) im Siedle Haus.

Mit seinem charakteristischen Holztragwerk und dem regionaltypischen Schindeldach, dessen Dachflächen teils bis zum Boden reichen, bietet auch das Siedle Haus Raum für vielfältige Nutzungsweisen – von der Ausstellung der Kunst bis hin zu verschiedenen Kultur- und Bildungsformaten.

Kapitel 03

Ein Haus im Haus

Axonometrie des Siedle Hauses
Das Siedle Haus zum Richtfest im Juli 2023
Das ehemalige Bestandsgebäude in der Baumannstraße 4
Das Siedle Haus mit Spiegelung der Siedle Villa
Zum Richtfest im Juli 2023: Das Siedle Haus mit fertiggestelltem Dachstuhl und dem Abguss im Inneren.Das ehemalige Bestandsgebäude in der Baumannstr. 4.
Axonometrie des Siedle Hauses

Das Herzstück des Siedle Hauses bildet der Ausstellungsraum. Er stellt eine Art Nukleus dar – einen Knotenpunkt, an dem sich die Geschichte von Siedle in besonderer Weise verdichtet. Es handelt sich um einen aus Beton gegossenen Baukörper, der als „Haus im Haus“ in die Architektur integriert ist und in seiner Machart auf die Ursprünge des heute europaweit führenden Sprechanlagenherstellers verweist.

Das Siedle Haus zum Richtfest im Juli 2023
Zum Richtfest im Juli 2023: Das Siedle Haus mit fertiggestelltem Dachstuhl und dem Abguss im Inneren.

„Wir haben die Gießerei neu interpretiert“, sagt Gabriele Siedle, die den Entwurfsprozess eng – und seit dem Tod ihres Mannes Horst Siedle im Jahr 2019 allein – begleitete. Das Stifterpaar und Architekt Arno Brandlhuber waren sich von Anfang an einig, dass der Neubau an die Firmengeschichte angebunden werden solle. So entstand die Idee, das Bestandsgebäude, das sich damals noch auf dem Grundstück des Siedle Hauses befand, in Beton abzugießen und in die Architektur einzubeziehen.

Das ehemalige Bestandsgebäude in der Baumannstraße 4
Das ehemalige Bestandsgebäude in der Baumannstr. 4.

Dieses Gebäude war nicht irgendeines, sondern ein Stück Familiengeschichte: Ende des 19. Jahrhunderts wurde es von Robert Siedle erbaut und als Wohnhaus genutzt. Die daneben errichtete baugleiche Siedle Villa gehörte seinem Bruder Hektor und ist heute Sitz der Geschäftsführung von Siedle.

Das Siedle Haus mit Spiegelung der Siedle Villa

Eine glückliche Fügung also, dass das leerstehende Haus samt Grundstück, nachdem es lange nicht mehr im Familienbesitz gewesen war, durch die Horst und Gabriele Siedle Kunststiftung zurückerworben werden konnte. So steht das Siedle Haus heute in direkter Nachbarschaft des Unternehmens und der Siedle Villa. Letztere spiegelt sich symbolisch in der rückseitigen Glasfassade des Siedle Hauses und bleibt so mit ihrem ehemaligen Zwilling verbunden.

Kapitel 04

Punkt für Punkt – digitale Bildhauerei

Das alte Wohnhaus in der Baumannstraße 4 als Punktewolke
Fertigung der Matrizen im 3D-Sanddruckverfahren
Strukturmatrize aus vier Sanddruckplatten
Strukturmatrize wird auf der Baustelle versetzt
Abnahme der Schalungen mit Kettenzügen
Die Enthüllung des Reliefs nach Abnahme der Schalungen
Detail des Abgusses der Fassade
Das alte Wohnhaus in der Baumannstraße 4 als „Punktewolke“Fertigung der Matrizen: Zunächst wurden die invertierten Daten im 3D-Sanddruckverfahren gedruckt. Dabei entstand ein Negativ vom Bestandsgebäude, zerlegt in 1067 auf Europaletten-Größe genormte Teile.Auf Grundlage der Sanddruckplatten entstanden anschließend die Strukturmatrizen: Dafür wurden jeweils vier Sanddruckplatten zu einer großen Strukturmatrize zusammengesetzt und mit einem speziell entwickelten Polyurethan abgegossen. Aus dem Negativ des Sanddrucks wurde erneut ein Positiv.Auf der Baustelle wurden die durchschnittlich 300 kg schweren Strukturmatrizen mit den Schaltafeln für die Betonage zusammengesetzt.Etwa eine Woche nach der Betonage begann unter größter Vorsicht die Abnahme der Schalungen. An jede Matrize wurde eine Stahlplatte mit eingeschweißten Haken montiert und mithilfe von Kettenzügen abgezogen.Die Enthüllung des Reliefs nach Abnahme der SchalungenDer Abguss zeichnet sich durch eine enorme Detailtiefe aus. Er lässt die charakteristischen Schindeln ebenso erkennen wie jegliche Risse, Löcher oder Unebenheiten der Fassade, und sogar die Jahresringe in den Holzbalken des ehemaligen Wohnhauses.
Das alte Wohnhaus in der Baumannstraße 4 als Punktewolke
Das alte Wohnhaus in der Baumannstraße 4 als „Punktewolke“

Da die marode Bausubstanz des Bestandsgebäudes einen physischen Abguss an Ort und Stelle nicht mehr zuließ, entstand die Idee einer Reproduktion mit digitalen Mitteln.

In einem aufwändigen Prozess wurden hunderttausende photogrammetrische Aufnahmen sowie Laserscans der Hausfassade erstellt. Das anspruchsvolle und bislang einzigartige Verfahren wurde vom Schweizer Büro JBKS durchgeführt. Aus den dabei gewonnenen Messpunkten entstand eine hochpräzise Punktewolke – ein digitales Abbild des alten Gebäudes.

Fertigung der Matrizen im 3D-Sanddruckverfahren
Fertigung der Matrizen: Zunächst wurden die invertierten Daten im 3D-Sanddruckverfahren gedruckt. Dabei entstand ein Negativ vom Bestandsgebäude, zerlegt in 1067 auf Europaletten-Größe genormte Teile.
Strukturmatrize aus vier Sanddruckplatten
Auf Grundlage der Sanddruckplatten entstanden anschließend die Strukturmatrizen: Dafür wurden jeweils vier Sanddruckplatten zu einer großen Strukturmatrize zusammengesetzt und mit einem speziell entwickelten Polyurethan abgegossen. Aus dem Negativ des Sanddrucks wurde erneut ein Positiv.
Strukturmatrize wird auf der Baustelle versetzt
Auf der Baustelle wurden die durchschnittlich 300 kg schweren Strukturmatrizen mit den Schaltafeln für die Betonage zusammengesetzt.
Abnahme der Schalungen mit Kettenzügen
Etwa eine Woche nach der Betonage begann unter größter Vorsicht die Abnahme der Schalungen. An jede Matrize wurde eine Stahlplatte mit eingeschweißten Haken montiert und mithilfe von Kettenzügen abgezogen.
Die Enthüllung des Reliefs nach Abnahme der Schalungen
Die Enthüllung des Reliefs nach Abnahme der Schalungen
Detail des Abgusses der Fassade
Der Abguss zeichnet sich durch eine enorme Detailtiefe aus. Er lässt die charakteristischen Schindeln ebenso erkennen wie jegliche Risse, Löcher oder Unebenheiten der Fassade, und sogar die Jahresringe in den Holzbalken des ehemaligen Wohnhauses.

Dieser gigantische Datensatz diente als Grundlage für die Herstellung von Schalungsmatrizen und ermöglichte einen Abguss von enormer Detailtiefe. So blicken Besuchende des Siedle Hauses beim Betreten des Schauraums auf die Außenfassade des alten Wohnhauses, die – nun in invertierter Form – zur Innenfassade wird. Risse, Nagelköpfe, vermooste Stellen, sogar die Jahresringe in den Holzbalken sind im Abguss zu erkennen und bilden einen unkonventionellen Hintergrund für die Inszenierung der Kunstwerke.

„Die Umsetzung war eine enorme Herausforderung. Doch es ist uns gelungen, den Entwurfsgedanken unverändert zu realisieren.“

— Michael Eichmann

Kapitel 05

Eine Einheit aus Ästhetik und Funktion

Foyer mit Spiegelwand und Holzkassettendecke
Kugellampen unter der Holzkassettendecke
Empfangstresen im Foyer
Foyer mit Spiegelwand und Holzkassettendecke

In nahezu jedem Detail des Baus und der Innenausstattung lässt sich ablesen, wie Ästhetik und Funktionalität ineinandergreifen und konsequent zusammen gedacht werden.

So etwa bei der Spiegelwand im Foyer, die den Raum optisch weitet und eine beinahe perfekte Illusion erzeugt: Die charakteristische Holzkassettendecke spiegelt sich darin so, dass kaum zu unterscheiden ist, wo das reale Deckengewölbe endet und wo die Spiegelung beginnt. Auch der Betonkubus des Abgussraums wird darin reflektiert – und wiederholt das Motiv der Doppelung, das der Architektur innewohnt.

Kugellampen unter der Holzkassettendecke

Beispielhaft für das Zusammenspiel aus Ästhetik und Funktion steht auch das maßgeschneiderte Lichtkonzept. Ein Schwarm aus 268 Kugellampen erleuchtet das Foyer im Siedle Haus. Wellenförmig angeordnet, erzeugen sie ein sanftes Streulicht, das den Raum dezent und zugleich effektiv erhellt.

Empfangstresen im Foyer

Der Empfangstresen im Foyer, ebenso wie die Spinde im Untergeschoss, wurden aus Kunststoffresten der Siedle-Produktion gefertigt. Das Rezyklat mit seinem feinen Grauton und den schimmernden Einschlüssen stellt eine ästhetisch überzeugende und zugleich nachhaltige Lösung dar. Und nicht zuletzt: ein weiteres Stück Siedle-DNA, das sich in das Siedle Haus einschreibt.

Kapitel 06

Hüter der Kunst – das Dach des Siedle Hauses

Dach des Siedle Hauses mit Gaube
Aufstellen des Richtbaums im Juli 2023
Holzschindeln des Dachs
Die besondere Geometrie des Dachs leitet sich konsequent aus den Dachlinien und Knickpunkten des ehemaligen Bestandsgebäudes ab.Aufstellen des Richtbaums im Juli 2023: Rohbau und Dachstuhl sind errichtet.Der kräftige Honigton der Holzschindeln wandelt sich mit der Zeit in ein blasses Grau. Auf den Bildern sind sowohl Schindeln zu sehen, die noch ihre ursprüngliche Farbe haben, als auch solche, die bereits verblasst sind.
Dach des Siedle Hauses mit Gaube
Die besondere Geometrie des Dachs leitet sich konsequent aus den Dachlinien und Knickpunkten des ehemaligen Bestandsgebäudes ab.

Über das komplexe Innenleben spannt sich das charakteristische Dach des Siedle Hauses. Mit seinen tiefgezogenen Dachflächen und der typischen Schindeldeckung knüpft es ästhetisch an traditionelle Schwarzwaldarchitektur an. In seiner Ausgestaltung und Dimension aber ist es einzigartig.

Aufstellen des Richtbaums im Juli 2023
Aufstellen des Richtbaums im Juli 2023: Rohbau und Dachstuhl sind errichtet.

Eine Fläche von 1400 Quadratmetern, ein Tragwerk von 25 Metern Spannweite, rund 100.000 verbaute Holzschindeln und 270.000 Stahlnägel zeugen von einer enormen Konstruktions- und Fertigungsleistung aller beteiligten Fachplaner und Gewerke.

Holzschindeln des Dachs
Der kräftige Honigton der Holzschindeln wandelt sich mit der Zeit in ein blasses Grau. Auf den Bildern sind sowohl Schindeln zu sehen, die noch ihre ursprüngliche Farbe haben, als auch solche, die bereits verblasst sind.

Das Dach übersetzt die Haltung des Siedle Hauses in einen architektonischen Gestus: Als hütende Instanz, die über die Kunst wacht und behutsam die Vielfalt der Nutzungsweisen – als Museum, Veranstaltungs- und Dialograum – miteinander verbindet.

Kapitel 07

Die Landschaftsarchitektur: „atelier le balto“ für das Siedle Haus

Das Außengelände entsteht: Das Siedle Haus im Juli 2025
Außengelände des Siedle Hauses
Das Siedle Haus Ende Juli 2026
Das Siedle Haus im März 2026
Außengelände des Siedle Hauses
Das Außengelände entsteht: Das Siedle Haus im Juli 2025
Das Außengelände entsteht: Das Siedle Haus im Juli 2025
Das Außengelände entsteht: Das Siedle Haus im Juli 2025

Architektur, Stadt und Natur miteinander zu verbinden – mit diesem Gedanken entwickelten „atelier le balto“ die Freianlagen rund um das Siedle Haus. Entstanden ist eine grüne Oase, die bis hinunter zur Hinteren Breg reicht.

Ausgehend vom Entwurf des Architekten Arno Brandlhuber gestalteten die Landschaftsarchitekt:innen den Garten als Verlängerung des Innenraums. Der Vorplatz, eine polygonale Komposition aus großen, rechteckigen Betonplatten, leitet den Weg zum Eingang des Siedle Hauses und weiter entlang der Breg. Ergänzend führen schmalere, gerade Wege zum grünen Rasenkarree in der Mitte des Gartens und von dort aus zum Flüsschen.

Außengelände des Siedle Hauses

In den zahlreichen Beeten rund um das Haus gedeiht ein sorgfältig ausgewähltes Ensemble verschiedener, vielfach heimischer Pflanzen. Für „atelier le balto“ ist dies der Beginn eines Dialogs, der sich mit der Zeit entwickeln wird – zwischen der nahen Uferlandschaft, dem Wald auf der gegenüberliegenden Seite des Bregtals und den neu gepflanzten Stauden, Sträuchern und Bäumen.

Ein Herzstück der Transformation ist die Renaturierung der Hinteren Breg. Stück für Stück wird der etwa 280 Meter lange Flussabschnitt zwischen dem Siedle Haus und dem Schwimmbad in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt – begleitet von einem Uferweg, der zum Verweilen und Spazieren einlädt. Die Renaturierung wird durch einen Landeszuschuss gefördert. Das gemeinsame Ziel: einen zugänglichen, attraktiven Aufenthaltsort für alle zu schaffen.

Das Siedle Haus Ende Juli 2026

„Früher waren Bäche die feinen Adern der Landschaft. Heute entdeckt man die Fruchtbarkeit der Zusammenhänge zwischen allen Lebewesen – einschließlich der Pflanzen – wieder.“

— Véronique Faucheur, atelier le balto

Das Siedle Haus im März 2026

Über „atelier le balto“

„atelier le balto“ ist ein deutsch-französisches Büro für Landschaftsarchitektur und Gartenkunst mit Sitz in Berlin und Le Havre. Das Kernteam besteht heute aus Véronique Faucheur, Marc Pouzol, Nil Lachkareff, Marc Vatinel und Lilith Unverzagt. Seit der Gründung 2001 entwickelt das Kollektiv Gärten, Parks und urbane Freiräume, die weniger als fertige Inszenierungen verstanden werden, sondern vielmehr als lebendige Prozesse.

Außengelände des Siedle Hauses

Zu den Projekten von „atelier le balto“ zählen unter anderem der „Jardin Sauvage“ am Palais de Tokyo in Paris, der Garten des Brücke-Museum in Berlin, der Jüdische Garten in den Gärten der Welt sowie Projekte für Institutionen wie das KW Institute for Contemporary Art, die Berlinische Galerie oder die Villa Romana in Florenz.

Projektbeteiligte

Entwurf und Planung

  • Arno Brandlhuber (Brandlhuber b+)Entwurf
  • Michael Eichmann (hotz+architekten)Leitender Architekt
  • Bollinger+GrohmannBerechnung des Dachtragwerks
  • LichtKunstLichtLichtkonzept
  • atelier le baltoLandschaftsarchitektur

Digitale Fertigung und Rohbau

  • JBKSPhotogrammetrie und Laserscan
  • Voxeljet3D-Sanddruck der Negative
  • ReckliStrukturmatrizen
  • WackerbauMontage der Matrizen und Betonage
  • Holzbau AmannVorfertigung und Montage des Dachs

Ausbau und Gestaltung

  • Spiegel ArtSpiegelwand im Foyer
  • Leuchtenmanufaktur BergmeisterFertigung der Kugellampen
  • Smile PlasticsRezyklat-Platten für Tresen und Spinde
  • Moser, HaslachUmsetzung von Tresen und Spinden
  • Horst und Gabriele SiedleStifterpaar